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Artikel: Mutterschaft im Wandel: Wie wir das Bild von „guter Mutter" neu schreiben

Mutterschaft im Wandel: Wie wir das Bild von „guter Mutter" neu schreiben
Mama-Alltag

Mutterschaft im Wandel: Wie wir das Bild von „guter Mutter" neu schreiben

Eine Mutter ist im Wörterbuch eine Frau, die ein oder mehrere Kinder geboren hat. Eine sachliche Definition, fast nüchtern. Was Mutterschaft im Alltag bedeutet, geht weit darüber hinaus. Über Generationen hat sich ein Bild aufgeladen, das niemand laut ausgesprochen hat und trotzdem alle kannten. Die „gute Mutter" gibt sich auf. Sie ist immer verfügbar, immer geduldig, immer leise. Ihre eigenen Bedürfnisse kommen zuletzt. Wenn überhaupt.

Dieses Bild passt nicht mehr. Es kollidiert mit einer Realität, in der Mütter Karrieren aufbauen, finanziell unabhängig sind, Beziehungen halten, einen Haushalt führen, mental und körperlich gesund bleiben sollen und das alles bitte mühelos aussehen lassen. Die Erwartungen haben sich vervielfacht. Die Definition von Mutterschaft ist dieselbe geblieben. Und genau dieser Widerspruch kostet Mütter mehr, als wir aussprechen.

Was eine „gute Mutter" angeblich sein soll

Heute soll eine Mutter alles können und alles gut können. Präsent und ambitioniert. Hingebungsvoll und unabhängig. Geduldig zuhause und produktiv im Job. Auf Instagram sieht das nach Empowerment aus. In Wahrheit und in der Realität aber ist es eine Falle.

Hinter den Kulissen läuft bei den meisten Müttern eine ständige innere Verhandlung. Zwischen der Frau, die sie waren. Der Mutter, die sie geworden sind. Und dem Bild, das andere von ihnen erwarten. Wenn aber die Erwartungen veraltet sind, wird der Druck unsichtbar. Aber spürbar. Höher. Und das jeden Tag. Zuhause, auf dem Spielplatz, in der Kita und im Büro.

Mental Load: die Arbeit, die niemand sieht

Ein großer Teil moderner Mutterschaft ist nicht körperlich. Er ist kognitiv. Es ist das ständige Mitdenken, Planen, Vorausschauen, Erinnern. Die mentale Liste, die nie ausgeht:

  • Termine im Blick behalten und buchen
  • Geschenke besorgen, ohne dass sich etwas doppelt
  • Vorräte prüfen, Einkaufslisten schreiben
  • Kleidergrößen mitwachsen lassen
  • Krankheitssymptome einordnen
  • Spielverabredungen organisieren
  • Bedürfnisse antizipieren, bevor sie ausgesprochen werden

Diese unsichtbare Arbeit hat einen Namen: Mental Load. Und sie hat Folgen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung kommt zu dem Ergebnis, dass sich das psychische Wohlbefinden eines Drittels aller Mütter in den ersten sieben Jahren nach der Geburt eines Kindes substantiell verschlechtert. Andere Studien zeigen bei Müttern erhöhte Werte für Angst und depressive Verstimmungen.

Arbeiten und Mutter sein ist kein Widerspruch

Lange wurde uns erzählt, beides ginge nicht zusammen. Wer arbeitet, ist nicht ganz Mutter. Wer ganz Mutter ist, gibt das Andere auf. Mütter werden in zwei Schubladen sortiert: berufstätig oder zuhause. Als wären das zwei verschiedene Spezies.

Das ist Unsinn. Mütter sind ganze Menschen. Mit Identitäten, Ambitionen und Bedürfnissen, die sich verändern dürfen. Arbeit kann Sinn sein. Sie kann finanzielle Notwendigkeit sein. Sie kann Identität sein. Oft ist sie alles drei gleichzeitig.

Ob du arbeitest oder nicht, ob halbtags oder Vollzeit, ob selbstständig oder angestellt: Es macht dich nicht zu einer schlechteren Mutter. Je früher dieses Denken Mainstream wird, desto schneller verschwindet das schlechte Gewissen, wenn du im Büro statt auf dem Spielplatz bist. Und desto schneller hören Arbeitgeber auf, Mütter abzuwerten, weil sie um drei aus der Kita abholen oder einen Tag wegen Fieber ausfallen. Das sind keine Sonderwünsche. Das ist gelebte Familienrealität in unserer heutigen Zeit.

Hingabe ist nicht dasselbe wie Selbstaufgabe

Mutterschaft bringt Verzicht mit sich. Schlaf. Zeit. Spontanität. Das ist Teil der Sache. Aber Verzicht darf nicht zur Selbstauslöschung werden. Du musst nicht aufhören zu existieren, damit dein Kind existieren kann.

Moderne Mutterschaft stellt eine andere Frage: Was, wenn Hingabe nicht heißt, alles abzugeben, sondern bewusst zu wählen, was wirklich zählt, ohne dich dabei zu verlieren Eine Mutter, die sich gesehen, gehalten, stark, unabhängig und ganz fühlt, ist nicht weniger hingebungsvoll. Sie ist langfristig tragfähiger. Für ihre Kinder. Für ihre Beziehung. Für sich selbst. Und für eine ganze Gesellschaft.

Du bist immer noch du

Eine der wichtigsten Erkenntnisse moderner Mutterschaft ist diese: Deine Identität verschwindet nicht, wenn du Mutter wirst. Sie verändert sich. Du bist immer noch du. Du darfst Wünsche haben, die nichts mit deinem Kind zu tun haben. Du darfst in deinem eigenen Leben Platz einnehmen. Das ist nicht egoistisch. Das ist nur gesund.

Sich selbst zurückzuholen kann vieles bedeuten. Zurück in den Beruf gehen. Etwas Neues anfangen. Grenzen setzen. Wieder Sport machen. Ein Buch lesen, das nichts mit Erziehung zu tun hat. Oder einfach: dir erlauben, mehr zu sein als „Mama". Wieviele "Mama von" hast du in deinem Telefonbuch gespeichert, ohne dich an den Namen der Mama zu erinnern?

Eine neue Definition von Mutterschaft

Mutterschaft heute lässt sich nicht in eine Schablone pressen. Sie ist komplex. Vielschichtig. Persönlich.

Sie ist abends spät am Schreibtisch und morgens früh am Frühstückstisch. Sie ist um Hilfe bitten. Sie ist Grenzen ziehen. Sie ist Erfolg neu definieren. Sie ist präsent sein, ohne dich selbst zu verlassen. Diese neue Mutterschaft ist nicht weniger liebevoll als das alte Bild. Sie ist nur ehrlicher.

Was bleibt

Mutterschaft neu zu denken heißt nicht, das Alte wegzuwerfen. Es heißt, Raum zu öffnen für mehr. Mütter dürfen mehrere Dinge gleichzeitig sein. Versorgerin und Individuum. Präsent und ambitioniert. Hingebungsvoll und selbstbewusst. Müde und stark. Liebende und Geliebte.

Es geht nicht darum, alles zu schaffen. Es geht darum, das Richtige zu tun. Auf eine Art, die deinen Kindern und deiner Familie gerecht wird. Aber eben besonders auch dir. Auf eine Art, die zu euch passt. Wirklich passt. Ohne etwas zu entsprechen, was von außen "gut" aussieht. Ohne etwas zu sein, was das außen von dir erwartet. Wir wissen wie schwer das in vielen Situationen ist, aber das ist der Schlüssel zu einer wirklich gesunden Muttreschaft. Den das ist am Ende des Tages nur ein Teil von dir.

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